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Samstag, 21.10.2017

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Bolivianische Schuhputzer besuchen August-Vetter-Berufskolleg

Ein vertrautes Geräusch vermissen die bolivianischen Gäste hier: „Es wird kaum gehupt“, sagt Genoveva. „Und alle fahren Fahrrad.“ Die 20-Jährige aus La Paz ist zurzeit zusammen mit fünf weiteren Schuhputzern, zwei Kindern von Schuhputzern und zwei Begleitern der Organisation Vamos Juntos in Bocholt. Es ist der Gegenbesuch zum Austausch mit acht Bocholter Schülern.

Die Schüler aus Bocholt waren in den Osterferien nach La Paz gereist. Die jungen Bolivianer stammen aus einfachen Verhältnissen, einige leben in Blechhütten. Ihr Land hatten sie bisher noch nie verlassen. „Es ist eine einmalige Chance für uns, dass wir hier sein dürfen“, sagt Schuhputzer Grover.

Organisiert hat den vom Entwicklungsministerium geförderten Austausch die Bocholterin Ruth Overbeck de Sumi – Gründerin und ehemalige Geschäftsführerin des Vereins Vamos Juntos, der sich für die Schuhputzer einsetzt. Der Verein wird seit vielen Jahren von Bocholter Schulen, Privatleuten und Unternehmen unterstützt. In den drei Wochen, die die bolivianische Gruppe hier verbringt, besucht sie nun viele dieser Sponsoren, präsentiert sich unter anderem den Schülern des August-Vetter-Berufskollegs, des St.-Josef-Gymnasium und des Euregiogymnasiums.

Untergebracht sind die Bolivianer in den Familien der Bocholter Austauschschüler. „Ich wohne hier in einem Traumhaus“, sagt Genoveva. Sie staunt, was für eine riesige Auswahl sie morgens zum Frühstück bekommt. „Bei uns gibt es nur Kaffee und Brot.“ Wenn sie wieder in La Paz sei, werde sie an die Zeit in Deutschland zurückdenken „wie an einen Traum“, ist Genoveva überzeugt. Mit Hilfe von Vamos Juntos und einiger Paten aus Bocholt absolvieren die jungen Leute, die jetzt hier sind, in Bolivien eine Ausbildung oder ein Studium. So hoffen sie, den gesellschaftlich geächteten Job als Schuhputzer bald aufgeben zu können. Die 20-jährige Genoveva beispielsweise will Erzieherin werden. Sie schaute sich auch das Haus der Kinder St. Bernhard an. „Der Kindergarten ist hier ganz anders als bei uns“, erzählt sie. In Bolivien sei das System sehr verschult. Dass die Kinder hier frei auswählen können, was sie spielen möchten, war für sie neu. Ein so schöner Kindergarten wie der in Lowick wäre in Bolivien nur für die ganz Reichen bezahlbar, sagt Genoveva. 

Begeistert sind die Jugendlichen auch von der Herzlichkeit ihrer Gastfamilien, mit denen sie sich fast nur mit Gestik und Mimik verständigen können. „Sie haben uns aufgenommen wie eigene Kinder“, sagt Oscar (23). „In Bolivien glaubt man, dass die Deutschen kalt sind“, sagt Reynaldo. Dieses Vorurteil habe sich für ihn „komplett ins Gegenteil verkehrt“.

Quelle: BBV 20.09.2017, Carola Korff, Foto Sven Betz

Montag, 02.10.2017 Alter: 19 Tage